Auch wenn die Messlatte seit vielen Jahren bei den Prunksitzungen der RMV Concordia sehr hoch liegt, meisterten die „Gaaskeeser-Faschings-Hochspringer“ auch bei der 29. Auflage diese Höhe sicher, elegant und in bester Stimmung – dank 149 ehrenamtlicher Mitwirkender und Helfer auf den Brettern der Karl-Wagner-Halle und hinter den Kulissen. Kein Wunder, dass bei vielen der 29 Nummern mit einer Netto-Aufführungszeit von vier Stunden „Jubel-Raketen“ gezündeten wurden.
Bereits beim Einmarsch von Sitzungspräsident Wolfgang Bühner und dem Elferrat setzte es das erste Ausrufezeichen des Abends: Eine Samba-Gruppe verbreitete mit heißen Rhythmen und tollen Kostümen beste Copacabana-Atmosphäre. Damit war der weite Bogen an Gardetänzen und Sketchen bis hin zur Finalnummer der „Lady-Killers“ gespannt. Der Saal brodelte förmlich, als die neun Männer in einer Sister-Act-Nummer verpackt ihre Gesangskunst und anschließend die Hüllen fallen ließen. Dessous als „Eye-Catcher“, da war nicht nur die Damenwelt entzückt.
Multitalente
Fast schon eine Selbstverständlichkeit, dass mit RMV-Vorstand Thomas Fischer und Tanzsport-Abteilungsleiter Oliver Spörl zwei unermüdliche „Macher“ dieser Sitzung selbst aktiv waren. Für die beiden Faschings-Dauerbrenner war dies nicht der einzige Auftritt, denn als „Mini-Man und Girl“ strapazierten sie ebenfalls das Zwerchfell der Faschingsfans. Damit nicht genug: Thomas Fischer stieg auch noch in die Bütt und „Olli“ Spörl sorgte beim Männer-Paartanz (mit Andrej Pacholsky) für einen weiteren glanzvollen Show-Act.Zu einem absoluten Höhepunkt avancierte der erstmals durchgeführte RMV-Pisa-Test, der aufgrund seines lokalen Einschlags in „Pissing-Village“ für die beiden Schülerinnen (Katharina Hornung und Michelle Dykes) mit einer glatten „Eins“ endete. Diese Höchstnote des Lehrers (Martin Freudenberg) wurde frenetisch bejubelt, schließlich gelangen tolle Übersetzungen: „Horsevillage“ für Rossdorf, „Cow-Shit-Village“ für Mistendorf, „Champs Elysees“ für Lindenallee, „Babies Chicken Cheese“ für Zieberleskäs, „Bicycleshouse“ für Rathaus und „Zombies“ für Elferrat. Dass im Rathaus „a Necher ärbert“ und „Mr. Black red is“ („Schwarz ist ein Indianer“), riss nicht nur Bürgermeister Andreas Schwarz begeistert vom Stuhl.
Fränkischer Rettungsschirm
Neben dieser Pisa-Premiere wurde
auch bei Wolfgang Reichmann das lokale fränkische Geschehen ganz groß geschrieben. Der Sportreporter, schon längst mit Kultstatus bei den „Gaaskeesern“, zog dabei als „Zwiebeltreter“ ein breites Register seiner Wortkunst, verschonte auch die politische Prominenz nicht und bekannte, dass die „Frankn in kaa Schema passen“. Mit dem Refrain „Kaa Deema“ zu den ein- und zweideutigen Themen beschäftigte er auch die Besucher zum Mitmachen. Das „Unikat“ (so Präsident Bühner) brannte ein Feuerwerk ab: Neben Nonsens-Versen, Limericks und verwechselten Buchstaben ging er mit der erotischten Stadt Deutschlands („in Bamberg wird am meisten aufgerissen und gebaggert“) besonders ins Gericht (Landesgartenschau, ICE, Liebeschlösser) und spannte zum Schluss einen fränkischen Rettungsschirm auf.
Aber auch Casting-Shows sind bekanntlich ein Renner, dies bewies Bauer „Huber Sepp“ (Roland Haagen), der sich bei drei Bewerbungen für die rassige „Hilde aus Herschaad“ (Hilde Bolz) entschied, bei der erst die Arbeit und dann das Vergnügen anstand. Da hatten die „wilde Henna“ (Silvia Lorz) und das elegante Büro-Girl (Christina Stone) keine Chance. Zu den Verlierern des Faschings-Bühnen-Lebens gehörten auch die letztjährigen Musical-Stars (Theresa Schwarzmann und Franziska Kehl). Im Vorjahr „VIP“, heuer „VUB“: Als „voll unästhetische Bauern“ begeisterten die beiden „Kulturbanausen“ bei ihrem Abstieg auf der Karriereleiter. Mit der Klobürste trainierten sie die Trizeps, inszenierten eine „Wischologie Fensterputzen“ und sangen den „Dorf!“-Gesang“ („wir bleiben in Strullendorf“). Last but not least: Die Herausforderung als erste in die Bütt zu gehen, meisterte die Jüngste im Bunde, Lisa-Marie Hafenecker, ganz cool, auch wenn sie „im Stress“ stand. Angefangen von der Früh-Hetze im Bad über Schulstress bis hin zum „Tod-müde-ins-Bett-fallen“ sinnierte sie darüber, ob sie doch nicht mit Rentnern („auf den Kanaren laufen sie in Scharen“) tauschen wolle.
Was wären die „Gaaskeeser“ ohne ihren glanzvollen Parade-Garden? Nicht auszudenken, denn auch heuer zeigten die Mini-Garde, das Young Team I und II sowie das New Age Dance Team, sowohl im klassischen Tanz und insbesondere mit den Show-Tänzen (als Piraten, Marine-Girls, „Freak-City“ und New Age Academy“), Höchstleistungen. Ein Solo-Medley mit Lisa-Marie Lehmann, Daniela Sörgel, Julia Baumgärtner und Annabella Hellmann sowie der Christina Sörgel-Tanzmariechen-Aufritt unterstrichen die Klasse der Concordia-Garden, die alljährlich viele DM- und EM-Titel einheimsen – mit einer Power und Selbstverständlich mit der auch heuer wieder „Jubel-Raketen“ abgebrannt wurden. Bereits beim Finale blickten Darsteller und Zuschauer voller Vorfreude auf das „Dreißigjährige“ 2013.
Text und Fotos: Bertram Wagner
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