Närrisches Feuerwerk zum „Gaaskeeser“-Jubiläum: Gelungene Mischung aus Nostalgie-Hits und Aktuellem
VON BERTRAM WAGNER
Beim silbernen Jubiläum gelang den „Gaaskeesern“ der RMV Concordia in beeindruckender Manier der Spagat zwischen Rückschau mit Highlights aus den letzten 25 Jahren und neuen Programmpunkten. Den insgesamt 1200 Besuchern (an zwei Abenden) wurde in knapp sechs Stunden ein wahres Feuerwerk an abwechslungsreicher närrischer Unterhaltung geboten.
Es war bereits nach ein Uhr am frühen Sonntag, als Vorstand Thomas Fischer, der zusammen mit Jürgen Grimm die Organisationsfäden geschickt vernetzt hatte, die Glückwünsche der zahlreichen Ehrengäste entgegennahm. „Ich bin glücklich und zufrieden“, freute er sich, der selbst bei drei Nummern auf der Bühne stand, nach Monaten intensiver Vorbereitung. Auch besaß er ein glückliches Händchen bei der Neubesetzung des Sitzungs-Präsidenten: Wolfgang Bühner hatte bei seiner Premiere das Heft fest in der Hand. 31 Programmpunkte reihte er gekonnt an die Narren-Perlenschnur.
Nach der Rock`n´Roll-Show (Julia Wolf/MarkusSchwarzmann) zum Auftakt glänzte „Allzweckwaffe“ Hilde Bolz als „Eierfrau-Babet“. Sie präsentierte sich als Weltenbummlerin, schilderte den Einsatz ihrer „Gerüche“ im Flugzeug und war nach dem Paris-Trip froh, wieder in Franken Eier verkaufen zu können. Auch ihr Sketch mit Dirk Hirsch, als in Andalusien Eheprobleme die Lachmuskeln der Faschingsgäste strapazierten, passte vorzüglich als „Neuheit“.
Dem gegenüber standen Beiträge, die das Rad der Zeit zurückdrehten. Der „Stier-Sketch“ mit Oliver Spörl und den Ehepaaren Wolfgang und Monika Goth sowie Thomas und Christiane Fischer wurde nach der Erstaufführung 1985 schwungvoll präsentiert und verwandelte die Karl-Wagner-Halle in eine Stierkampf-Arena. Voll den Faschingsnerv traf auch Reiner Schmaus, der nach der Erklärung der „Gaaskees“-Entstehung die Lehrer auf die Schippe nahm („wir müssen immer in den Ferien Urlaub machen“) und anschließend auf Weltreisen mit Pannen ging. Seinen Missgeschicken – „Süsselfor“ statt Manhattan, Friesner Warte statt Mt. Everest – ließ er noch einige treffende lokale Spitzen folgen.
Bereits bekannt, aber wiederum top präsentiert war die „Stargast“-Nummer des spanischen Dirigenten Sanchez alias Jürgen Steppan, dem die Dessous nur so entgegen flogen. Getreu dem Motto „Let the pork out“ („lassen wir die Sau raus“) übersetzte Claudia Thomson das humorvolle Kauderwelsch über „Pissing-Village“, sprich: Strullendorf. Als musikalische Unterstützer mussten die beiden Bürgermeister-Kandidaten Andreas Schwarz und Jürgen Spörl – kniend vor dem Dirigenten – ran, was bestens ankam.
Die beiden Kulturbanausen Steppan/Thomson waren mit Wolfgang Reichmann die einzigen „Leihgaben“, ansonsten wurde dieses Mammutprogramm einzig und allein vom Gastgeber getragen. Kein „eingekaufter“ Büttenredner, alles Marke Eigenbau! BR-Reporter Reichmann glänzte bei seiner Premiere als Sprecher mit witzigen, oft mehrdeutigen TV-Nachrichten aus dem Weltgeschehen, dem Sport und dem Lokalen. Garniert mit Videoeinblendungen, u.a. über den Elferrat, war die „Tagesschau“ ein echter Renner mit höchsten Jubel-Quoten!
Dies schafften aber auch die ehemaligen RMV-Tänzerinnen samt Nachwuchs mit einer Blacklight-Show, die auf Zeitreise ging und einen optischen Leckerbissen bot. Ob Drahtseilakte, Tiere, Gesangseinlagen – bei diesem „Remake“ lief alles wie am Schnürchen. Eine profihafte Inszenierung!
Wesentlich jünger, aber bereits wie ein „Alter“ stand zum zweiten Mal Youngster Adrian Hafenecker in der Bütt. Der 11-Jährige klagte sein großes Leid, dass er es keinem recht machen konnte. Ob Essen, Haare, Schulnoten oder Fernsehen, er mache alles verkehrt. Einfach nervig für den Schüler, umso lustiger war`s für die Zuhörer. Da durften die Besucher noch sitzen bleiben, was bei der tollen Gesangs-Einlage von Katharina Wagner nicht mehr drin war. „Hol das Lasso raus“, schmetterte sie ins Mikrofon und verwandelte als „Cow-Girl“ die Halle in eine Wild-West-Kulisse zum Mitmachen.
Passend zur Uhrzeit – nach Mitternacht – kam der bereits legendäre Auftritt der Männershowgruppe. Die „Ladykillers“ wählten diesmal die „Blue Man Group“ als Anheizer. Natürlich schlugen die Frauenherzen höher, als die Strings der Tänzer die Blicke anzogen. Den Besuchern blieb kaum mehr Luft zum Verschnaufen, denn zum Abschluss gab es eine Musical-Präsentation auf „Hamburg-Niveau“. Dirk Hirsch und Silke Fischbach waren die Hauptdarsteller beim „Tanz der Vampire“, der trotz seiner Blutrünstigkeit das „Sahnehäubchen“ eines silbernen Jubiläumsabends war, an dem alles golden glänzte.
Daran hatten natürlich auch die Garden ihren großen Anteil. Traditionsgemäß ist es die „Mini-Garde“, bei der die erste Begeisterungs-„Rakete“ startet. Die mit Titeln reichlich ausstaffierten Garden boten jeweils einen Rheinischen Tanz und einen Showtanz, die angesichts der phantasievollen Kostüme die „Gaaskeeeser“-Sitzung im besonderen Maße bereichert. Ob Lummerland mit Jim Knopf, Christiane F. vom Bahnhof-Zoo, Grusel-Stimmung mit Zombies oder die „Mini“-Rocker – die Tänze waren alle ein Genuss, was auch für die Klasse-Solo-Einlagen von Eileen Schmaus und Christina Sörgel sowie den Paartanz von Janina Feulner und Sophia Römer zutrifft.
Quelle: Fränkischer Tag